Dienstag, 07.Juli 2009 (Gibraltar)

July 7th, 2009

Heute ist Waschtag für Weiβwäsche und Buntes, ich telefoniere mit Stefan zusammen mit der Segelmacherin, um den Preis zu verhandeln und unsere Kritik anzubringen. Den restlichen Vormittag vertrödeln wir in brütender Hitze, bringen unser Logbuch auf Stand und versuchen uns weiterhin mit der Programminstallation für diese neue Website, leider auch weiterhin erfolglos. Am Nachmittag, die Sonne brütet immer noch vor sich hin und könnte sich bei Bully als „Superperforator“ Ausdruck aus dem „Schuh des Manitu“) bewerben, so wie der Planet runter sticht, wandern wir durch das Stadtzentrum, besorgen noch Postkarten und Briefmarken, Polsterschampoo für den Fall, dass Feivel zum Wiederholungstäter wird und Müllbeutel, um damit vorübergehend die Salonpolster abzudecken, bis Feivel sich und seine Blase wieder unter besserer Kontrolle hat, und holen die Wäsche wieder ab. Und schon ist es wieder Abend, auch wenn die Sonne erst in ca. 4 Stunden untergeht.
Stefan und Martina werden morgen auslaufen, so werden wir uns heute Abend auch noch zusammen setzen auf einen letzten Umtrunk. Mal sehen, wie spät es diesmal wird.

Montag, 06.Juli 2009 (Gibraltar)

July 7th, 2009

Stefan geht am Morgen mit seinem gerissenen Groβsegel zum Segelmacher in der Nähe der Sheppard’s Werft und ich begleite ihn, um nach Persenningstoff zu schauen. Die Segelmacherin residiert in einem Containerbüro, ist aber nicht da. Rückfragen ergeben, dass sie in einer Stunde da sein will, das passiert aber auch nicht und letztlich soll Stefan sein Segel bei der Werft hinterlegen. So getan, gehen wir weiter zum Yachtausrüster Sheppard’s Chandlery, die zwar noch am selben Platz ist wie vor 11 oder 15 Jahren, aber alles drum herum ist komplett neu und verändert. Die alte Marina gibt es nicht mehr, dafür wurde ein „Ocean Village“ gebaut. Um zum Yachtausrüster zu kommen, muss man erst in eine Tiefgarage gehen, ohne Ortskenntnis also nicht zu finden. Wir bekamen den entsprechenden Hinweis auf Anfrage bei einem Konkurrenzunternehmen, nicht ohne mit englischem Humor bedacht zu werden. Dort bekomme ich wenigstens Moosgummi für die Backskisten und die noch fehlenden Maststufen – zum halben Preis! Ob man nun € 50 pro Maststufe oder nur die Hälfe bezahlt, macht doch einen groβen Unterschied.
Am Nachmittag beschäftigen wir uns noch ein wenig am Boot und gehen Abends mit Martina und Stefan zum Essen in ein Pub mit Biergarten und anschlieβend Bummeln in der Altstadt. Allerdings sind alle Läden und die meisten Bars, Cafes, Pubs und Restaurants bereits geschlossen und die Bürgersteige im wesentlichen hoch geklappt. Und das bereits um 2200 Uhr! Dabei wollten wir unterwegs noch ein frisches Eis genieβen; war uns eben nicht vergönnt! Wir klönen dafür noch an Bord weiter, diesmal auf der „Muline“, während unsere Miezen ganz konsterniert schauen, weil wir auf dem Nachbarschiff sitzen. Mitkommen wollen sie aber nicht, obwohl sie ja sonst sehr gern Ausflüge auf die Nachbarschiffe machen; der junge Salalah, der doch so gern mit ihnen spielen würde, jagt ihnen wohl doch einen gehörigen Respekt ein.
Charlene nutzt dann aber die Gelegenheit, sich von Bord zu schleichen und dackelt den Ponton entlang bis zum Ende. Dort aufgespürt, geht sie zwar wieder zurück, macht aber auf halber Strecke Halt, springt in ein Schlauchboot und von dort auf die Badeplattform eines anderen Seglers, hangelt sich hoch auf Deckshöhe und springt gleich weiter auf das nächste Schiff, um sich dort zwischen Decksaufbau und Mast zu verstecken. Alles Locken und Rufen hilft nichts, bis wir an Bord der Yacht gehen und Charlene aufgabeln. Trotz Lieblingsessen und Leckerlis strebt sie wieder von Bord, wird aber von uns zurück gehalten, das es bereits 0100 Uhr vorbei ist und wir schlafen gehen wollen. Dafür kommt uns Salalah noch mal besuchen und schaut neugierig in die Fenster, um unsere Miezen zu beobachten.

Sonntag, 05.Juli 2009 (Gibraltar)

July 7th, 2009

Den heutigen Tag wollen wir mit Martina und Stefan einen Ausflug auf „The Rock“, den Felsen von Gibraltar machen. Gott sei Dank haben wir den meisten Teil des Weges bergauf Schatten zur Verfügung. Wir besuchen die „Michael’s Cave, eine Tropfsteinhöhle, die entsprechend den gemachten Funden bereits 40.000 Jahre BC (vor Chr.) von Neandertalern bewohnt wurden. Dieser Tage werden bestenfalls Konzerte abgehalten, abgesehen von den Touristen, die auf einen Besuch vorbei kommen. Wir wandern weiter über den Rock bis zum Grat, haben einen herrlichen Ausblick, insbesondere bei der klaren Wetterlage. Spanien in Richtung Tarifa, Marokko mit seinem Rifgebirge (Ceuta bis Tanger), Gibraltar und die Costa del Sol sind deutlich sichtbar. Wir machen bei einem alten Bunkerunterstand auf dem Grat eine Pause und verdrücken unsere Sandwiches und Pfirsichstückchen. Nach ein paar Hundert Metern sind wir an der obersten Affenfütterungsstation und haben eine weitere Begegnung der darwinschen Art. Allerdings ist der Affenbestand seit unserem letzten Besuch drastisch reduziert. Vor 11 Jahren waren es noch ganze Affenhorden mit ca. 50 bis 60 Tieren pro Clan auf jeder Fütterungsstation, jetzt sind es nur noch eine Handvoll. Was ist hier passiert? Die Regeln haben sich ja auch geändert, füttern ist nunmehr komplett verboten, auch der Kontakt mit den Affen – vor 11 Jahren noch eine natürliche und unabdingbare Sache – ist ebenfalls bei Strafe untersagt. Offenbar versucht man, das Leben und Gedeihen der Affen besser zu kontrollieren, evtl. auch, um den Bestand wieder „aufzuforsten“? Wir wandern den Rock weiter entlang, nunmehr stetig bergab, bis zu den Siege Tunnels am anderen Ende des Felsens. Auch hier bemerken wir Sparmaβnahmen, einige historische Figuren und Pappkameraden sind verschwunden, die L-förmige Aussichtsplattform ist ebenfalls weg. Trotzdem ganz nett, in den Tunneln der zwischenzeitlich brennenden Sonne zu entgehen und ein wenig Schatten zu genieβen. Nebenbei ist es doch ein historisch interessantes Überbleibsel der Vergangenheit. Auf dem weiteren Weg nach unten schauen wir noch beim Moorish Castle rein. In dessen Vorgarten befindet sich ein Teich, der zum Streitpunkt von zwei Berberaffen wird. Beide wollen sich wohl von der Hitze abkühlen, der Effekt ist jedoch gleich Null, da beide immer wieder nur erhitzter werden und aufeinander losgehen. Platz wäre ja genug für beide, aber das Machtgehabe und der Vorrangstatus sind eben doch wichtiger. Die Wärter machen dem dann ein Ende, indem der im Teich liegende Wasserschlauch einfach mal aufgedreht wird und die beiden Streithanseln überraschend erwischt. Lange hält das allerdings auch nicht vor und das Spiel der Delinquenten beginnt von neuem.
In der Altstadt gönnen wir uns nach dem in der Hitze doch anstrengenden Rumgeirre ein Bierchen und setzen uns anschlieβend noch auf der Bomika zusammen. Bei den warmen Temperaturen ist eine Tara Tura, eine kalte Yoghurtsuppe ala Tzatziki genau das Richtige. Dazu einen gekühlten Rosewein, abgelöst von Vino Tinto und einem Reissalat mit Lachs und Meeresfrüchten, nicht zu vergessen die Tomatenscheiben mit Mozarella in Balsamico, Tunfischsalat und Weißbrot. Der Abend wird nicht nur gemütlich, sondern auch lang und die Nacht entsprechend kurz. Nachdem Stefan und Martina ihre Weltreise so gut wie hinter sich haben, bekommen wir jede Menge wertvoller Tipps für den weiteren Weg.

Samstag, 04.Juli 2009 (Gibraltar)

July 7th, 2009

Nach unserem Spaziergang gestern treffen wir auch unsere Nachbarlieger, Stefan und Martina von der SY Muline. Erstes Thema: Vorsicht Kater an Bord, da Sie unterwegs den kleinen Salalah aufgefischt haben, der seither ihren Bordalltag ereignisreich hält und andere Schiffe genauso gern erkundet wie unsere Miezen. Wir kommen ins Ratschen und finden kein Ende mehr, bis es bereits spät in der Nacht ist.
Am Morgen schlafen wir entsprechend etwas länger, bevor wir uns an die Arbeit machen. Stefan kommt rüber und kurbelt mich mit der Winsch in den Mast, zusammen mit dem Wasserschlauch, Eimer und Schwamm. So kann ich Mast und Wanten mal wieder gründlich reinigen und vom Flugrost befreien – von wegen Edelstahl rostet nicht – Salzwasser und salzhaltige Luft bringen halt doch einiges zu Stande. Stefan lässt mich dazu Stück für Stück wieder runter, bis alles geschafft ist. Danach waschen wir das Deck und spülen die Salonpolster.
Am Nachmittag ist eine Einkaufstour beim Supermarkt angesagt. Wir wollen ja eigentlich nicht zuviel einkaufen und erstmal bestehende Vorräte mindern, aber man weiβ ja auch nicht, was man wann das nächste mal bekommt, von den Preisen mal ganz abgesehen. Deshalb verzichten wir auf die Mitnahme unseres Trolleys, nehmen aber zusätzlich zu dem kleinen Seesack auch den groβen Seesack noch mit. Bei der guten Auswahl und dem Preisgefüge halten wir uns zwar zurück, aber es wird doch viel mehr als eigentlich gedacht, beide Seesäcke werden voll gepackt und 3 Einkaufstüten dazu. So machen wir uns auf den Rückweg, schnaufend und schwitzend und sind froh, endlich zurück am Schiff zu sein. Wir fühlen uns ausgetrocknet von der Hitze wie zwei Zwetschgenmanderl im Backofen bei Oberhitze drei. Wir werden jedenfalls noch mal hingehen und bunkern, denn besser nur 1 km laufen als vielleicht 5 beim nächsten Hafen mit entsprechender Möglichkeit. Und billiger wird’s in der Algarve bestimmt auch nicht.

Freitag, 03.Juli 2009 (Gibraltar)

July 3rd, 2009

Nach der Nachtfahrt und der Ansteuerung von Gibraltar bei Nacht und Nebel aufgeputscht, dauert es eine Weile, bis sich der Adrenalinspiegel wieder senkt und der herbei gesehnte Schlaf endlich das Sandmännchen vorbei schickt. Dafür werden wir gegen 0900 Uhr von der Polizei geweckt. Die Hafenpolizei kommt per Boot vorbei, klopft an den Rumpf und teilt uns mit, dass Ankern hier mittlerweile verboten ist und wir doch spätestens in einer Stunde weg sein sollten. Nachdem wir in der Queensway Quay Marina einen Platz reserviert haben, ist alles kein groβes Problem. Wir trinken Kaffe und machen uns etwas frisch, um den Schlaf zu vertreiben und schon geht es Anker auf. Fender und Leinen sind hergerichtet, nächster Anlaufpunkt die Tankstelle. Die ist gleich auf der anderen Seite der Runway vom Flughafen und der Tankwart steht bereit um die Leinen anzunehmen. 180 Liter gurgeln in den Tank, als brave Kinder (waren wir das auch?) bekommen wir jeder ein Bonbon. Nach dem bezahlen fragt uns der Tankwart, ob wir noch das Boot abspritzen wollen und hält bereits einen Wasserschlauch parat. Aber nachdem wir das in der Marina bequem und in aller Ruhe machen können, lehnen wir dankend ab und rufen die Marina über Funk. Alles klappt wie am Schnürchen und zwei Marineros warten bereits am Schwimmsteg. Kaum sind die Leinen fest, verhaften mich die Beiden samt Bootspapieren und Pässen, entschuldigen sich dafür, dass es sofort sein muss (Auflage der Zollbehörden) und chauffieren mich im Elektrocart zum Office. Der Papierkram ist schnell erledigt, und Jacqui, die Bürovorsteherin und Mutter der Nation, ruft gleich bei FedEx an, die sich schon bei Ihr wegen der Lieferung der Rotorblätter aus Portugal gemeldet hatten. Ich kriege den Hörer und kann das Päckchen entweder gegen Gebühr oder auch selbst durch den Zoll bringen und abholen. Das Büro ist am Flughafen, bis 1600 Uhr ist geöffnet.
Wir gönnen uns erstmal ein Frühstück und eine Dusche, und machen uns dann auf den Weg zum Flughafen, von Queensway ein ganzes Stück zu Laufen. Nachdem auch DHL dort ein Büro gleich nebenan hat, statten wir Ihnen auch gleich einen Besuch ab, aber die Tracking-Nr. kann nicht gefunden werden. Auch scheint kein Paket bzw. Brief da zu sein. Eine Rücksprache mit dem Hauptbüro in Gibraltar hilft auch nicht weiter. Bei Fedex ist es dagegen recht unkompliziert. Ich bekomme die Papiere, gehe damit zum Zoll, der leider (wegen der enormen Hitze) ein ganzes Stück entfernt ist. Eine gut genährte, freundliche Dame fragt nach Pass und Bootspapieren, füllt das Formular gleich selbst aus, zwei Unterschriften von mir und alles ist abgestempelt und erledigt. Damit bekommen wir auch unser Päckchen mit den Rotorblättern für den Windgenerator. Auf dem Rückweg spazieren wir durch die Altstadt und gönnen uns zur innwendigen Abkühlung ein Bierchen bzw. Wasser, stöbern in verschiedenen Läden und sind am späten Nachmittag zurück an Bord. Zwischenzeitlich ist eine weitere Deutsche Yacht angekommen und liegt direkt neben uns, die Luken sind offen, aber wohl niemand an Bord. Dem Schiff nach zu urteilen, liegt die Weltumsegelung bereits hinter ihnen – wir werden ja sehen.

Donnerstag, 02.Juli 2009 (unterwegs Almerimar - Gibraltar)

July 3rd, 2009

Der Morgen wird viel versprechend – Wind aus Südwest! Genua raus, Motor aus, wir können wieder segeln, auch wenn uns die Gegenströmung mit etwa 2 Knoten bremst und 40º nördlich versetzt. Doch das Vergnügen bleibt nicht lange, der Wind dreht und wir müssen unseren Kurs immer weiter nördlich absetzen. An sich kein Problem, fahren wir eben dichter unter Land, aber leider lässt der Wind gleichzeitig auch wieder nach, dadurch bekommt die Strömung mehr Effekt und wir treiben nordostwärts. Nach fast einer Stunde sind wir laut Logge gerade 2 sm gesegelt, aber über Grund nur etwas von der Ausgangsposition abgedriftet. Nachdem der Wind auch noch zu schwach zum Segeln wird, rollen wir die Genua wieder ein und starten die Maschine. Hat eben nicht sollen sein und das Frühsportprogramm haben wir ja brav absolviert. Noch 40 sm bis zur Spitze von Gibraltar, das sollten wir bis Einbruch der Dunkelheit schaffen.
Wir werden noch mit einem weiteren Erlebnis für unsere vergebliche Segelmüh’ belohnt: eine Schule Delphine kommt uns entgegen und verweilt eine zeitlang, um sich die Zeit mit Sprüngen und Prusten um unser Schiffchen zu vertreiben. Es ist doch immer wieder ein tolles Erlebnis, diese schönen Säuger aus nächster Nähe und in freier Natur beobachten zu können. Uns gelingen etliche Schnappschüsse und als Lisa auf dem Bugspriet sitzt, versucht sie, die Delphine und ihre Sprünge wie ein Dompteur zu dirigieren. Die Momente, als es klappt, dürften eher zufällig gewesen sein, aber was soll’s!
Unsere Euphorie soll aber auch schon bald ihren Dämpfer bekommen. Es kann ja auch nicht nur alles wunderbar sein. Unsere Salonpolster, in Almerimar erst sorgfältig und gründlich gereinigt, wurden von unserem lieben und ansonsten sehr braven Katerchen „Feivel“ als Toilette missbraucht. Vielleicht war es auch nur in Ermangelung der Markierungsmöglichkeit (er ist ja kastriert), vielleicht wollte er damit auch zeigen, dass er nun der Herr auf dem Schiff ist – nicht Charlene, unsere ruhige Waldkatze, die ihn schon ab und zu zurecht weist, nicht Lisa oder ich. Aber nachdem es eindeutig seine Duftnote war, wird er eben auch von uns zurechtgewiesen. Die Arbeit bleibt uns dennoch und wir wässern das Polster erstmal kräftig an Deck. Wenn wir’s uns recht überlegen, ist Feivel in den letzten tagen auch ganz schön machomäβig geworden. Wenn er etwas will – Streicheleinheiten oder sein Lieblingsessen – tut er das lautstark kund. Und wehe, es ist nicht sein Lieblingsessen oder Leckerlis, von denen er nie genug kriegen würde! Er ist schon ziemlich heikel geworden. Anfangs war jedes Dosenfutter recht, Trockenfutter wurde eher verschmäht, dann hat er die Schmackhaftigkeit von Trockenfutter entdeckt und Dosenfutter wurden nur noch bestimmte Sorten und Marken akzeptiert, alles andere bleibt eben stehen. Frischer Fisch oder frisches Fleisch, nein Danke! (Charlene ist ja dieselbe, allerdings liebt sie beides, sobald es gebraten und gewürzt ist und von unserem Teller stammt, was Feivel ebenso verschmäht).
Der zweite Dämpfer erfolgt durch die Umstände: wir erwischen kräftige Gegenströmung von 3 bis 3,5 Knoten, die uns mal mehr nach Süden, mal mehr nach Norden versetzt und ansonsten das Vorwärtskommen erschwert. So wird die Geschwindigkeit von guten 5 Knoten auf läppische 1,5 Knoten reduziert und somit die Fahrtzeit wie auch der Dieselverbrauch unnötig erhöht. Segeln ist auch nicht drin, da der Wind einerseits auf die Nase bläst und andererseits zu schwach ist, um gegen die Strömung aufzukreuzen. Also werden wir frühestens mitten in der Nacht ankommen, evtl. wird es früher Morgen, je nachdem, wie lange uns die Strömung in ihren Fängen hält.
Am Nachmittag bekommen wir noch eine Chance, der Wind springt auf 15 Knoten und wir ziehen die Segel wieder hoch, um aufzukreuzen. Der erste Schlag geht nordwestwärts Richtung Spanische Küste und nach 2 Stunden kommen wir aus dem Strömungsbereich heraus. Bevor wir aber auf den zweiten Schlag ansetzen und wenden können, stirbt der Wind plötzlich innerhalb von 15 Minuten ab. Was bleibt ist eine fürchterliche Dünung, die uns wild schaukeln lässt. Immerhin haben wir doch ein ganzes Stück unter Segeln geschafft und die starke Gegenströmung hinter uns gelassen (zumindest vorerst). Also Segel wieder bergen und die Maschine anschmeißen. Eine halbe Stunde später meldet sich der Wind zurück, wie gehabt auf die Nase. Doch wenn wir jetzt wieder aufkreuzen, kommen wir wieder in den Strömungsbereich zurück, also warten wir erstmal ab und fahren weiter. Wer weiβ, was der Wind als nächstes macht und wie lange er erhalten bleibt. Evtl. folgt er ja der Wettervorhersage und geht bald wieder schlafen.
Aber so viel Glück, wie wir manchmal haben, ist natürlich das Gegenteil der Fall. Der Wind nimmt zu und pendelt sich bei satten 5 Bft. ein, variiert dabei in der Richtung von SW bis NW, was ein Aufkreuzen erschwert bzw. unmöglich macht – es sei denn, man hat vor rückwärts zu segeln. Aber Gibraltar ist nicht mehr weit, die Gegenströmung ist fast weg und wir kommen noch gut voran, bis sich die Strasse von Gibraltar vor uns öffnet. Der Wind ist teilweise so heiβ, dass es sich anfühlt, als hält jemand einen Fön auf Höchststufe direkt ins Gesicht. Aber in der Straβe ändert sich auch das und der Wind wird nicht nur eisig, sondern legt noch ein paar Knoten zu, bis er sich bei rund 28 Knoten einpendelt und in Böen auch mal ein paar mehr erreicht. Die Wellen bauen sich steil auf und waschen übers Deck, das Vorwärtskommen wird extrem langsam. Die gröβeren Wellen stoppen das Boot auf und lassen es abfallen, der Autopilot ist dem nicht gewachsen. Er braucht eben eine gewisse Mindestgeschwindigkeit, die wir unter den gegebenen Umständen nicht halten bzw. erreichen können. Nach Mitternacht ist es geschafft, der Felsen ist umrundet und wir gelangen langsam (ganz langsam) in den Windschatten von Tarifa. Die Suche nach der Hafeneinfahrt inmitten des Lichtermeers beginnt und wir würfeln einen Pasch – die Einfahrt ist gefunden. Allerdings ist die Einfahrt in die Marina abgesperrt, die Kais im Auβenhafen extrem hoch und ohne Poller zum Festmachen. Nach zwei Hafenrundfahrten entscheiden wir uns zur Weiterfahrt Richtung Flughafen – genauer gesagt, Richtung Landebahn, die ja hier ins Meer reicht. Dahinter, zwischen Landebahn und Mole von La Linea soll man ja ankern können. Genau das tun wir auch und lassen dort unser Eisen auf 6m Tiefe fallen, um den Rest der Nacht in Ruhe zu verbringen. Mittlerweile ist es 0200 Uhr und wir gönnen uns zum Abschluss der Etappe einen „Absacker“, also einen „Gute Nacht“-Drink. Die Logge zeigt 186 sm, dabei ist die Srecke nur 130 sm. Da sieht man, was Gegenströmung ausmachen kann!

Mittwoch, 01.Juli 2009 (unterwegs Almerimar - Gibraltar)

July 3rd, 2009

Heute ist es wirklich soweit. Nach dem Kaffee und der Morgendusche geben wir den Stromadapter und die Toilettenschlüssel ab und bezahlen noch den zusätzlichen Tag. Das dauert etwas, da just in dem Moment der PC bzw. der Server der Marina abstürzt. Hilfe wird sofort geordert und der genaue Betrag kann vom PC ausgespuckt werden, allerdings mag der Drucker nichts ausspucken. Aber wozu brauchen wir auch eine Rechnung? Von der Steuer kann man’s ja nicht absetzen. Eine letzte Überprüfung, dann werden die Leinen los geworfen und wir motoren aus dem Hafen. Dabei fällt uns ein, wir haben kein einziges Foto in Almerimar geschossen! Aber nachdem wir dort nur im Hafen waren und keine Ausflüge unternommen haben, ist es ja nicht so wild.
Nachdem wir aus der Bucht heraus sind und die Tiefenangabe kontinuierlich zunimmt, wird noch die Logge kurz ausgebaut und gesäubert, damit sowohl Speedanzeige als auch der Meilenzähler wieder funktionieren. Und abgesehen von der Dünung haben wir etwas Wind aus dem achterlichem Quadranten (SE), also Segel hoch! Bomika läuft wunderbar 4 Knoten trotz des eher zaghaften Windes von 3 Bft. Leider lässt der aber auch nach kurzer Zeit wieder stark nach und 1 ½ Stunden später dümpeln wir mit kaum 1 Knoten Fahrt in der Dünung. Da ist ja jede Oma mit Krückstock und Gehfrei schneller! Schweren Herzens rollen wir die Genua ein und lassen unseren eisernen Gustav in die Bresche springen. Wir beobachten den Wind bzw. das leise Lüftchen zwar weiterhin, aber es will sich nicht mausern und lässt eher weiter nach. Nur die Dünung bleibt erhalten.
Wir vertreiben uns die Zeit mit Lesen und dösen und versuchen, dabei nicht zuviel Sonne abzubekommen und trotzdem einen Hauch des Fahrtwinds mitzukriegen, da sonst die Hitze unerträglich wird. Abends sichten wir Delphine, aber sie bleiben auf Distanz. Erst eine Stunde später kommen sie uns doch besuchen. Aus der Nähe sehen wir, dass es keine Delphine sind, sondern eine andere Walart. Sie sind viel gröβer als Delphine, haben keine „Schnabelschnauze“ sondern einen runden Kopf und springen nicht so aus dem Wasser, dafür spritzen sie gerne herum mit ihrer Seitenflosse. Die ist auch viel länger als bei Delphinen und die Rückenflossen sind etwas anders geformt. Ein ganzes Rudel von etwa 20 bis 25 Walen unterschiedlicher Gröβen umringt und umrundet uns. Viel zu spät haben wir die Kamera parat, aber wenigstens gelingen 3 Photos, bevor sie wieder auf Distanz gehen.
Mit diesem Erlebnis noch frisch in Erinnerung, bricht die Nacht über uns herein und präsentiert seinen Sternenhimmel mit den unzähligen Galaxien der Milchstrasse. Die kommen noch mehr zur Geltung, als der Mond gegen 0300 Uhr als orangener Ball untergeht.

Dienstag, 30.Juni 2009 (unterwegs Almerimar - Gibraltar)

July 3rd, 2009

Am Morgen haben wir gleich noch die Maβe für die Genua genommen, Vorliek, Unterkante und Achterliek, geprüft, ob die Rollanlage auch noch genügend zusätzliche Wicklungen verträgt, damit es beim einrollen kein Problem gibt. Es ist natürlich heiβ und der Schweiβ rinnt in Strömen, egal, was oder wie viel man macht. Unser „Schweiβer“ erscheint wieder nicht, Lisa geht derweil einkaufen. Bei der Marina treffe ich den Marinerio, der uns mit dem Schweiβer zusammengebracht hat und ich erfahre nun, dass er zu dem workshop am anderen Ende des Hafens gehört. Also auf, Marsch, Marsch! Dort treffe ich seinen Kollegen, der sich entschuldigt, den Lautsprecher nicht vorbei gebracht zu haben. Sie hatten gestern auf dem Weg einen Notruf bekommen und darüber meinen Lautsprecher ganz vergessen. Aber die Halterung ist gut und kräftig ausgeführt und preislich günstig.
Ich telefoniere noch mit dem Segelmacher, der inzwischen aber seine Arbeitspläne ändern musste. Eine Umarbeitung des Segels ist nun diese Woche gar nicht möglich, also auch nicht rechtzeitig für Gibraltar. Dabei hatten wir uns schon entschieden, doch einen Tag länger in Almerimar zu bleiben, damit wir das Segel auch noch an Ort und Stelle ausprobieren können und zu sehen, ob noch etwas geändert werden müsste, was in Gibraltar schwierig gewesen wäre. Wir könnten ja nur das Segel kaufen und dann woanders von einem Segelmacher umarbeiten lassen? Aber wer weiβ, was es woanders kostet oder ob es dort nicht sogar ein anderes gebrauchtes gibt, das besser passt, oder ob nicht ein neues im Vergleich günstiger kommt? Also lassen wir das jedenfalls.
Da es mittlerweile Nachmittag geworden ist, bleiben wir doch noch einen Tag länger in Almerimar und werden also erst am Mittwoch auslaufen. Vom Wetter macht es keinen Unterschied und bis Donnerstag Abend sollten wir unser nächstes Ziel erreicht haben.
Dafür nehmen wir gleich noch die Montage des Auβenlautsprechers in Angriff. Erstmal alles herrichten: Bohrmaschine und Bohrer, Kabelsteckverbinder, Lüsterklemmen, Isolierband, Schrumpfschlauch, Mini-Bunsenbrenner (Sturmfeuerzeug), Kabelbinder, Schraubenzieher, Schraubenschlüssel, Schrauben, Beilagscheiben, Bändsel, Zange, Verlängerungskabel – irgendwas vergessen? Dann geht es hinauf in den Mast, Lautsprecher anbinden, Dampferlicht demontieren (damit man mit der Bohrmaschine an die Montageplatte unterm Radar kommt), Loch bohren, passt Alles? Kabel anschlieβen, Lautsprecher testen (ganz schön laut, so direkt neben dem Ohr), alles montieren und abwärts geht’s. Zuerst das zweite Vorfall mit dem Werkzeugeimerchen, aber das will nicht abwärts. Irgend etwas klemmt da! Also erstmal sichern, damit es nicht ganz nach oben rauscht, und ich lass mich von Lisa runter. Dummerweise habe ich vergessen darauf zu achten, dass das Spifall, an dem ich hänge, auch erst wieder um die Winsch gelegt wird. So kann Lisa es nicht halten und ich kriege einen Expressfahrstuhl abwärts, bis sich mein Bein in einer Maststufe und den zwischen Maststufen und Wanten gespannten Abweiserleinen verfängt – Autsch! Aber das bremst jedenfalls die Talfahrt. Den Rest des Weges geht es dann normal und ganz gemütlich nach unten auf’s Deck. Erstmal die Bohrmaschine loswerden und dann geht es wieder aufwärts ins Topp. Aber da hat sich nichts vertörnt, das Vorfall läuft ganz normal, nur nicht weiter nach unten als bis zur ersten Saling. Ob sich da im Mast etwas verhakt hat? Kann doch eigentlich nicht sein. Wieder an Deck präsentiert sich des Rätsels Lösung einem blinden Adlerauge: die Seilklemme am Mast, durch die das Vorfall läuft, hat sich halb geschlossen und beklemmt das Fall. Also noch mal hoch bis zur Saling, Vorfall entsichern und dann ist endlich alles vollbracht und es kann ans Aufräumen gehen.
Wir unterbrechen diese Tätigkeit – nicht für eine wichtige Meldung, aber für den Gang zum Hypermercado. Ein riesiger Supermarkt mit groβer Auswahl an allem. Getränke, Nudeln, Reis, Konserven haben wir noch ausreichend, so kaufen wir nur „ein paar Kleinigkeiten“ und laufen mit 4 Einkaufstüten zurück zum Boot. Lisa brutzelt uns ein paar Schweinesteaks, die Miezen erfreuen sich am Ausguck halten und Beobachten des Hafentreibens und danach wird fertig aufgeräumt. Zum Abschluss gibt es noch eine Dusche, um den Schweiβ abzuwaschen und sich etwas frischer zu fühlen, das Gefühl der Frische und Sauberkeit verschwindet allerdings bereits, sobald man aus der Dusche kommt. Es ist immer noch sehr warm und drückend schwül (vor allem im Boot), während das Deck bereits nass ist vom Kondenswasser.

Montag, 29.Juni 2009 (Almerimar)

June 30th, 2009

Mal wieder ein heiβer, sonniger Tag. Laut Wetterbericht ist es hier 6º wärmer als auf den Kanaren, obwohl die doch noch ein ganzes Stück südlicher liegen. Wir marschieren zum Segelmacher mit unserem Groβsegel im Schlepptau, die Reparatur soll bis zum Abend fertig sein. Die Supermärkte haben allerdings zu, wegen des Feiertags am Wochenende ist heute ein lokaler Feiertag, um die Räusche auszukurieren. Nur einige Läden haben trotzdem geöffnet. Danach geht es zum Marinaoffice, Internet für einen weiteren Tag bezahlen und auch gleich die Liegegebühren bis morgen. Da heute ja auch unser „Schweiβer“ mit der Halterung für den Auβenlautsprecher vorbei kommen wollte, wechseln wir uns ab bei den Besorgungen.
Zwischendurch noch Arbeiten im Internet, bis es auf einmal zusammenbricht und keine Verbindung mehr aufbaut. Dabei hatten wir noch versucht, über Skype unseren Papa zum Geburtstag anzurufen. Er war zwar aushäusig, aber die Verständigung mit der Schwägerin Annemarie war so schlecht und von Statikgeräuschen überlagert, dass man nicht mal die Hälfte verstanden hat. Ein weiterer Besuch im Marina Office klärt die Sachlage: der Provider (Spanische Telecom) hat Probleme mit dem Server und versucht bereits, das Problem zu lösen. Wie lange das noch dauert? Keine Ahnung. Wir hoffen auf das Beste, probieren es immer wieder am Nachmittag ohne Erfolg. Evtl. sollten wir die Gebühr zurück verlangen. Am Abend hole ich dann das Segel ab, die Arbeit ist ordentlich ausgeführt, der Preis okay. Ich erkundige mich noch nach einem gebrauchten Vorsegel, das wird herausgesucht und begutachtet. Das Vorliek passt, das Unterliek ist allerdings zu lang. Dazu muss wahrscheinlich auch das Vorliek geändert werden, da die Kiepe für die Nut sehr dick ist und ersetzt werden müsste. Ansonsten scheint das Segel in sehr gutem Zustand zu sein, gutes Material und gut verarbeitet mit dreifach Nähten und doppeltem Segeltuch. Dann hätten wir ein Ersatzvorsegel, das etwas gröβer ist als unser derzeitiges (das eher zu klein ist), zu einem akzeptablen Preis und es lieβe sich mit dem Spinnakerbaum ausbaumen anstatt der Notlösung mit dem Bootshaken, der doch nur irgendwann bricht. Der Segelmacher würde das Segel entsprechend umarbeiten, durch die Kürzung würde auch der vergilbte Streifen vom Aufrollen wegfallen und die Versteifungen würden entsprechend versetzt werden. Eine Lieferung nach Gibraltar wäre auch kein Problem, so dass wir keine weiteren Tage hier im Hafen bleiben müssten. Wir werden das überschlafen und noch alle erforderlichen Maβe nehmen.
Danach stellen wir fest, dass der Laden mit den Bikini Angeboten doch offen hat, sehr zu Lisas Freude, und erstehen gleich ein Doppelpack. Unser „Schweiβer“ hat sich natürlich den ganzen Tag nicht blicken lassen, der Marinerio, der ihn vermittelt hat, hat heute auch Urlaub und so hoffen wir auf morgen früh – er weiβ ja, dass wir auslaufen wollen. Das wird sicher ein interessanter Tag morgen! Als wir das Groβsegel wieder anschlagen, probieren wir zwischendurch das Internet und siehe da, es funktioniert wieder! Wir telefonieren mit Papa, dann mit Fritz von der „Irony“, der schon sehnsüchtig auf seinen nächsten Segeltörn wartet (in ein paar Tagen ist es ja soweit) und unsere Reise fleiβig mitverfolgt. Wir freuen uns tierisch über den Kontakt, müssen aber auch das Groβ noch fertig anschlagen. Bis wir damit fertig sind, ist es bereits 2200 Uhr und Zeit fürs Abendessen, bevor die Küche schlieβt. Das Abmessen fürs Vorsegel muss eben bis morgen warten, wir genieβen lieber ein Steak und Krabben, beides gut zubereitet, in unserer Cerveceria,“La Barca“, begleitet von zwei zischenden Blondinen und danach einem Rioja Vino Tinto. Ach, uns geht’s ja so gut!
Wie in den meisten Häfen und Buchten haben wir auch hier wieder nette andere Segler verschiedener Nationen getroffen, Engländer, Schweden und Deutsche, mit denen man Erfahrungen austauscht und Freundschaften schlieβt, auch wenn man sich bald wieder voneinander verabschiedet. Es ist eben eine andere Art des Soziallebens mit immer wieder neuen Freundschaften und einige wird man sicher irgendwo, irgendwann auch wieder treffen.

Sonntag, 28.Juni 2009 (unterwegs Almerimar)

June 29th, 2009

Es ist zwar Sonntag, aber schon wieder ist der PC dran. Emails beantworten, neuen Wetterbericht laden und andere Kleinigkeiten. Dann ist das Groβsegel dran, Reffleinen und Latten raus, Rutscher aus der Mastnut und das Segel an Deck zusammenlegen, so gut es eben geht. Um an den Segelsack zu kommen, muss natürlich das Vorschiff ausgeräumt werden. Nur gut, dass Lisa mit den Umräum- und Umstau-Aktionen soweit fertig ist, sonst wäre das Chaos im Salon perfekt. Wenn alles aufgeräumt ist, passt zwar alles, aber wehe, man benötigt etwas. Das ist dann garantiert nicht das, was man als „wird sicher gebraucht“ eingestuft hat und irgendwo ganz hinten vergraben. Das gilt für Lebensmittel genauso wie für vieles von Werkzeug und Ausrüstung. Aber man kann halt nicht alles greifbar und gegen herumrutschen, -fallen, -schleudern, etc. gesichert haben.
So vergeht der liebe Tag und bevor wir es mitbekommen, ist es schon wieder Abend und Sonnenuntergang.